USEDOM
die Urlaubsdestination in der Ostsee ...

Seefliegerei an der Ostseeküste

Im Haus des Gastes in Bansin wurde am Abend des 30. April 2007 die Wanderausstellung des Förderkreises Luft- und Raumfahrt M-V e.V. „Geschichte und Zukunft der Seefliegerei an der Ostseeküste“ eröffnet. Frau Dr. Lehmann begrüßte im Namen der „Drei Kaiserbäder“ die zahlreich erschienen Gäste. Neben Mitgliedern des Förderkreises Luft- und Raumfahrt M-V e.V. waren Mitglieder der Historischen Vereine aus Heringsdorf und Zinnowitz sowie zahlreiche Flugbegeisterte zu der feierlichen Eröffnungsveranstaltung erschienen. Für eine angenehme Umrahmung der Veranstaltung sorgten Frau Richter und Herr Kellner mit den wunderschönen Klängen ihrer Gitarren. Herrn Sparling von der Historischen Gesellschaft Heringsdorf sprach einige einführende Worte zur Seefliegerei. Er nannte dabei den anwesenden Gästen zahlreiche Bezugspunkte des Themas, die sich zur Geschichte der Insel Usesdom ergeben. So war die Rede vom Swinemünder Flugfeld, dem heutigen Flugplatz in Garz oder der Landung von Wasserflugzeugen bei Kaminke auf dem Stettiner Haff. Besonders beliebt waren am Anfang des vorigen Jahrhunderts die Flugvorführungen auf der Trabrennbahn in Gothen. Letztlich kamen zwischen den zwei Weltkriegen auch im Bereich der Insel Usedom zahlreiche Wasserflugzeuge zum Einsatz. Neben einer Fluglinie der Lufthansa von Berlin über Stettin und Swinemünde nach Sellin auf Rügen und Stralsund waren viele kleinere Flugzeuge zwischen den Seebädern im Einsatz oder es wurden Rundflüge für die Badegäste angeboten. Dann kam der Macher der Ausstellung Herr Dr. Weiss vom Förderkreises Luft- und Raumfahrt M-V e.V zu Wort. Auch er führte zahlreiche Beispiele dafür an, welchen Stand die Seefliegerei in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hatte und ging dabei auf die Entwicklung in ganz Mecklenburg und Vorpommern ein. Am Ende blieb die Idee, ob nicht auch heute wieder Rundflüge mit dem Wasserflugzeug über unsere wunderschöne Insel eine touristische Attraktion wären. Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung war ausreichen Zeit für Diskussionen auch über dieses Thema. Nachdem die Wanderausstellung auch schon in Szczecin zu sehen war, wir sie anschließen im Fischereimuseum im polnischen Swinoujscie präsentiert. In Bansin ist die Ausstellung  „Geschichte und Zukunft der Seefliegerei an der Ostseeküste“ noch bis zum 29.05.2007 im Haus des Gastes zu sehen.


Internet: www.flrmv.de

Matthias Gründling

Bilder:

2007 005_0719_034853: Herr Dr. Weiss und Frau Spohler (Vorsitzende der Hist. Gesellschaft Zinnowitz im Gespräch

Baederlinie Lufthansa: Flugplan der Lufthansa Bäderlinie (Wasserflugzeugverbindung, Linie138)

aeroplan zw 1914: Erinnerungsfoto von 1914 aus Zinnowitz

fliegt in die baeder: Werbung der Lufthansa

In fliegenden Kisten zum Ostseestrand

Vor 80 Jahren wurden die Ostseebäder fahrplanmäßig von Wasserflugzeugen angeflogen

Als das noch junge Flugwesen nach dem ersten Weltkrieg nach ziviler Verwendung strebte, galt es im Norden Deutschlands bald als besonders schick, im Flieger in die Ostseebäder zu reisen. Interessante Fakten und Fotos über die damaligen „tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ hat der Rostocker Technikhistoriker Dr. Reiner Weiß zusammengetragen. „Mecklenburg und Pommern mit ihren Seen, Boddengewässern und flachen Sandstränden an der Ostseeküste boten Wasserflugzeugen ideale und schnell einzurichtende Start- und Landeplätze“, sagt Weiß. Insgesamt kannte man mit Warnemünde, Stralsund, Stettin und Swinemünde, Sellin auf Rügen und Kloster auf Hiddensee sieben bis acht solcher Wasserflugplätze. Diese wurden von mit Schwimmern ausgerüsteten Ein- und Doppeldeckern bei Bedarf, bald aber nach Fahrplänen durch Flugunternehmen wie Sablatnig, Junkers Verkehrsflug, DLR und später Deutsche Lufthansa angeflogen.
Der vom Bomber umgebaute Seedoppeldecker FF-49-Friedrichshafen beförderte drei Passagiere. In Warnemünde gab es davon zehn Heeres-Maschinen, die das Reich noch vor dem Versailler Vertrag veräußert hatte. Der in Stralsund gebaute Seedoppeldecker LFG V 13 „Strela See“ nahm dann schon vier Personen mit. Von Stralsund aus flogen regelmäßig auch vier FF-49 unten den Namen „Max“, „Moritz“, „Fromme Helene“ und „Witwe Bolte“. Der 1914 erstmals als kombinierter Wasser-und Landflugplatz in Warnemünde fertig gestellte Airoport entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum des zivilen Seeflugverkehrs. Hierher gelangten zahlungskräftige Fluggäste von Berlin-Johannisthal. Von Berlin-Tempelhof flog man nach Stettin und Swinemünde, zu den Kaiserbädern auf Usedom, zur Ostküste Rügens und nach Hiddensee.

Eine regelmäßig beflogene Seebäderlinie verband ab 1920 Travemünde, Warnemünde, Sassnitz und Swinemünde. Kühne Warnemünder Piloten hielten auch eine fahrplanmäßige Linie nach Malmö/Kopenhagen und Stockholm aufrecht. 1920 testete man sogar Flüge nach Danzig und Riga, die sich jedoch als zu weit und sehr wetteranfällig erwiesen.

Sehr gefragt waren in den 1920er-Jahren auch Rundflüge von Warnemünde nach dem heutigen Kühlungsborn, zum Fischland-Darß oder von Stralsund und Sellin über Rügen. Bis 1939 beflog die Deutsche Lufthansa mit Junkers F-13 fahrplanmäßig die Strecke Berlin-Stettin-Sellin-Stralsund- Kloster.

Dass Mecklenburg und Pommern dem Bodensee damals den Rang streitig machten, ist laut Weiß auch auf das frühe Engagement des Großherzogs Friedrich Franz zurückzuführen. Er hatte schon 1912 für einen Leistungsvergleich der Wasserflugzeuge sein Luxusbad Heiligendamm bereitgestellt. Aber erst 1926 beim 2. Deutschen Seeflugwettbewerb in Warnemünde bewiesen die verbesserten Wasserflugzeuge ihre Leistungsfähigkeit.

Nach dem zweiten Weltkrieg war es jahrzehntelang ruhig um die deutsche Wasserfliegerei. Fünf Seefliegertreffen anlässlich der Rostocker Hanse Sail mit über 500 begeisterten Mitfliegern zeugen jedoch von neu erwachtem Interesse. Rostock besitzt auf der Warnow derzeit den einzigen eingerichteten Wasserflugplatz Deutschlands. Warum, so Reiner Weiß, sollte nicht wieder das Wasserflugzeug im Seebäderdienst oder im Luftverkehr zu Ostseeanliegern eine neue Chance erhalten? Prof. Dr. Elmar Wilczek aus Immenstaad am Bodensee betonte kürzlich vor Mitgliedern des Förderkreises für Luft-und Raumfahrt, dass seit 2000 das Wasserfliegen in Deutschland wieder frei sei. Das Wasserflugzeug ist laut einem Grundsatzurteil des Bremer Oberverwaltungsgerichtes als Wasserfahrzeug anerkannt. Die Wasserstraßenämter könnten daher Zulassungen nicht verweigern. Bei der modernsten Generation von Wasserflugzeugen – wie von Dornier – seien das Gewicht, Lärm- und Umweltbelastungen stark minimiert. Wasser-Flugzeuge aus Russland, Kanada oder den USA könnten bis 80 Passagiere befördern.

Es scheine, so Wilzcek, dass in Deutschland der Vorteil noch verkannt würde, auf dem Wasser landen und starten zu können. Auch Dr. Weiß sieht für Wasserflugzeuge vor allem im Tourismus gute Chancen. Kreuzliner-Passagiere würden ihm zufolge gern schnell mal nach Rügen oder Peenemünde düsen. Die Mecklenburgische Seenplatte wäre schnell erreichbar. Berliner Urlauber würden wieder Flüge an die Küste buchen. In Polen und im Baltikum gibt es großes Interesse an Flugrouten entlang der Ostseeküste. Schweden mit seinen über 100 Wasserflugzeugen möchte stärker mit dem „Kontinent“ via Flugzeug verbunden werden.

DIETER FLOHR

 

 

 

 

 

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