Seefliegerei an der Ostseeküste
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In fliegenden Kisten zum Ostseestrand
Vor 80 Jahren wurden die Ostseebäder fahrplanmäßig von Wasserflugzeugen angeflogen
Als das noch junge Flugwesen nach dem ersten Weltkrieg nach ziviler Verwendung strebte, galt es im Norden Deutschlands bald als besonders schick, im Flieger in die Ostseebäder zu reisen. Interessante Fakten und Fotos über die damaligen „tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ hat der Rostocker Technikhistoriker Dr. Reiner Weiß zusammengetragen. „Mecklenburg und Pommern mit ihren Seen, Boddengewässern und flachen Sandstränden an der Ostseeküste boten Wasserflugzeugen ideale und schnell einzurichtende Start- und Landeplätze“, sagt Weiß. Insgesamt kannte man mit Warnemünde, Stralsund, Stettin und Swinemünde, Sellin auf Rügen und Kloster auf Hiddensee sieben bis acht solcher Wasserflugplätze. Diese wurden von mit Schwimmern ausgerüsteten Ein- und Doppeldeckern bei Bedarf, bald aber nach Fahrplänen durch Flugunternehmen wie Sablatnig, Junkers Verkehrsflug, DLR und später Deutsche Lufthansa angeflogen.
Der vom Bomber umgebaute Seedoppeldecker FF-49-Friedrichshafen beförderte drei Passagiere. In Warnemünde gab es davon zehn Heeres-Maschinen, die das Reich noch vor dem Versailler Vertrag veräußert hatte. Der in Stralsund gebaute Seedoppeldecker LFG V 13 „Strela See“ nahm dann schon vier Personen mit. Von Stralsund aus flogen regelmäßig auch vier FF-49 unten den Namen „Max“, „Moritz“, „Fromme Helene“ und „Witwe Bolte“. Der 1914 erstmals als kombinierter Wasser-und Landflugplatz in Warnemünde fertig gestellte Airoport entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum des zivilen Seeflugverkehrs. Hierher gelangten zahlungskräftige Fluggäste von Berlin-Johannisthal. Von Berlin-Tempelhof flog man nach Stettin und Swinemünde, zu den Kaiserbädern auf Usedom, zur Ostküste Rügens und nach Hiddensee.
Eine regelmäßig beflogene Seebäderlinie verband ab 1920 Travemünde, Warnemünde, Sassnitz und Swinemünde. Kühne Warnemünder Piloten hielten auch eine fahrplanmäßige Linie nach Malmö/Kopenhagen und Stockholm aufrecht. 1920 testete man sogar Flüge nach Danzig und Riga, die sich jedoch als zu weit und sehr wetteranfällig erwiesen.
Sehr gefragt waren in den 1920er-Jahren auch Rundflüge von Warnemünde nach dem heutigen Kühlungsborn, zum Fischland-Darß oder von Stralsund und Sellin über Rügen. Bis 1939 beflog die Deutsche Lufthansa mit Junkers F-13 fahrplanmäßig die Strecke Berlin-Stettin-Sellin-Stralsund- Kloster.
Dass Mecklenburg und Pommern dem Bodensee damals den Rang streitig machten, ist laut Weiß auch auf das frühe Engagement des Großherzogs Friedrich Franz zurückzuführen. Er hatte schon 1912 für einen Leistungsvergleich der Wasserflugzeuge sein Luxusbad Heiligendamm bereitgestellt. Aber erst 1926 beim 2. Deutschen Seeflugwettbewerb in Warnemünde bewiesen die verbesserten Wasserflugzeuge ihre Leistungsfähigkeit.
Nach dem zweiten Weltkrieg war es jahrzehntelang ruhig um die deutsche Wasserfliegerei. Fünf Seefliegertreffen anlässlich der Rostocker Hanse Sail mit über 500 begeisterten Mitfliegern zeugen jedoch von neu erwachtem Interesse. Rostock besitzt auf der Warnow derzeit den einzigen eingerichteten Wasserflugplatz Deutschlands. Warum, so Reiner Weiß, sollte nicht wieder das Wasserflugzeug im Seebäderdienst oder im Luftverkehr zu Ostseeanliegern eine neue Chance erhalten? Prof. Dr. Elmar Wilczek aus Immenstaad am Bodensee betonte kürzlich vor Mitgliedern des Förderkreises für Luft-und Raumfahrt, dass seit 2000 das Wasserfliegen in Deutschland wieder frei sei. Das Wasserflugzeug ist laut einem Grundsatzurteil des Bremer Oberverwaltungsgerichtes als Wasserfahrzeug anerkannt. Die Wasserstraßenämter könnten daher Zulassungen nicht verweigern. Bei der modernsten Generation von Wasserflugzeugen – wie von Dornier – seien das Gewicht, Lärm- und Umweltbelastungen stark minimiert. Wasser-Flugzeuge aus Russland, Kanada oder den USA könnten bis 80 Passagiere befördern.
Es scheine, so Wilzcek, dass in Deutschland der Vorteil noch verkannt würde, auf dem Wasser landen und starten zu können. Auch Dr. Weiß sieht für Wasserflugzeuge vor allem im Tourismus gute Chancen. Kreuzliner-Passagiere würden ihm zufolge gern schnell mal nach Rügen oder Peenemünde düsen. Die Mecklenburgische Seenplatte wäre schnell erreichbar. Berliner Urlauber würden wieder Flüge an die Küste buchen. In Polen und im Baltikum gibt es großes Interesse an Flugrouten entlang der Ostseeküste. Schweden mit seinen über 100 Wasserflugzeugen möchte stärker mit dem „Kontinent“ via Flugzeug verbunden werden.
DIETER FLOHR
Flugplan 2012
Zürich - Heringsdorf (Flug-Nr. 2L910)
Abflug: 13:40 Uhr
Ankunft: 15:15 Uhr
Zürich - Heringsdorf (Flug-Nr. 2L914)
Abflug: 15:15 Uhr
Ankunft: 17:30 Uhr
Zürich - Heringsdorf (Flug-Nr. 2L910)
Abflug: 13:30 Uhr
Ankunft: 15:00 Uhr
Heringsdorf - Zürich (Flug-Nr. 2L911 )
Abflug: 16:00 Uhr
Ankunft: 17:30 Uhr
Heringsdorf - Zürich (Flug-Nr. 2L915 )
Abflug: 13:45 Uhr
Ankunft: 15:15 Uhr
Heringsdorf - Zürich (Flug-Nr. 2L911 )
Abflug: 15:40 Uhr
Ankunft: 17:10 Uhr





