Herzlich Willkommen
in den Inselbädern auf Usedom

Land am Meer - Der Inselnorden

Auf unseren Streifzügen haben wir Usedom als buntes Mosaik kleinräumiger Landschaften kennen gelernt - abwechslungsreich, mit Steilufern, Seen, Buchten und Halbinseln. Jahrhundertelanges menschliches Wirken prägt das Antlitz unserer Insel.

Seeadler

Nordwestlich der Hauptstraße bekommt die Landschaft ein anderes Gesicht. Der maritime Charakter der Ostseeinsel ist nirgends so zu spüren wie zwischen Trassenheide und dem Peenemünder Haken. Landeinwärts, am Peenestrom, liegt ein großes Niedermoorgebiet, das sich von Bannemin bis Karlshagen erstreckt. Über Seesand ist hier in Jahrtausenden Torf gewachsen, der Große See bei Trassenheide liegt als Rest des alten Peenestromes inmitten der Wiesen. Hier ist einer der letzten Brutplätze des Großen Brachvogels, jenes krähengroßen Schnepfenvogels, der in ganz Deutschland als Brutvogel wohl bald verschwunden sein wird. Am Nordrand dieser Niederung liegt der Kölpiensee. Noch vor 70 Jahren doppelt so groß, wurde der See in den dreißiger Jahren abgelassen. Der Cämmerer-See bei Peenemünde ist dagegen zu dieser Zeit künstlich durch eine vom Peenestrom abgetrennte Ausbuchtung entstanden. Beide Seen werden heute gern von ziehenden Enten auf dem Weg zwischen Ostsee und Peenestrom aufgesucht.

Junge Rohrweihen

Nördlich des Dorfes Peenemünde wurde schon 1925 eines der ersten Naturschutzgebiete Pommerns ausgewiesen. Aber bereits ab 1936 wurde rücksichtslos meterhoch Seesand aufgespült, um den Flugplatz und militärische Anlagen zu errichten. Das Naturparadies wurde zur Erprobungsstelle der Luftwaffe und der Wehrmacht, und Wunden wurden in die Landschaft geschlagen, die bis heute nicht vernarbt sind. Sechzig Jahre militärische Nutzung haben aber auch ein Gebiet vor der Öffentlichkeit geschützt, wie es heute auf Usedom einmalig ist. Die Küste und die Wälder nördlich und westlich der "Kienheide" sind Sperrgebiet, bedingt durch militärische Altlasten und Munitionsverseuchung. Nur hier gehört der Natur noch ein Stück vom Usedomer Strand von etwa 2 km Länge. Dieses Refugium für eine Reihe von Seevögeln wird jedoch immer mehr von uneinsichtigen Urlaubern gestört, die Verbotsschilder ignorieren und auf der Suche nach "Ruhe" in die letzte Einsamkeit vordringen.

Kormoran

Entlang der Küste dehnt sich das nach dem Darß größte Dünengebiet der deutschen Ostseeküste aus. Nicht mehr die schattigen Buchenwälder der Moränengebiete bestimmen das Bild, sondern Kiefern jeder Altersklasse stehen auf den Dünen und trotzen als zerzauste Windflüchter dem Seewind. Wie in der Swinemündung hat das Meer den Sand entlang der Küste gespült und der fast nie ruhende Wind einen Fächer aus Strandwällen aufgebaut. Auf ihnen entstanden die Dünen. Nur noch selten kann eine so ungestörte Dünenabfolge beobachten, die das Werden unserer Insel anschaulich erzählt. Die Bodenbildung lässt das Alter der Dünen erkennen, ihre Färbung gab ihnen den Namen. Die ältesten Braundünen, entstanden vor mehr als 3000 Jahren, wehten noch landeinwärts, bemüht, die Pforten zwischen den alten Inselkernen zu schließen. Alle später entstandenen, die Gelb,- Grau- und Weißdüne verlaufen parallel zur Küste. Die Anlandungen haben ein großes "Windwatt" entstehen lassen, eine Besonderheit unserer Ostseeküste, an der Ebbe und Flut nicht spürbar sind.
 Bemüht, Vorsprünge zu begradigen, trägt die See den Sand nach Norden.Hier am Peenemünder Haken wächst die Insel Usedom nach Nordosten, im Jahr etwa um 1 m. Raritäten, wie die früher nicht seltene Stranddistel sind hier zu finden, hauptsächlich sind jedoch Strandhafer und -seggen auf den Grau- und Weißdünen verbreitet. Abhängig von Windrichtung und Windstärke fallen die Flachwasserbereiche zeitweise trocken. Sie bieten dann tausenden Schnepfen, Strandläufern, Enten und manchmal hunderten Schwänen Nahrungs- und Rastfläche. Auf dem Weg entlang der Ostseeküste ist hier ein Ruhe- und Mauserplatz für durchziehende Vögel von europäischer Bedeutung entstanden. Die frühere Bedeutung des Peenemünder Hakens als Seevogelbrutplatz ist jedoch verloren gegangen. Das Eiersammeln durch Fischer und die übrige Bevölkerung sowie die militärische Nutzung des Gebietes ließen den Seevögeln keine Chance.

Vogelmiere

Zwischen den Strandwällen und in den Dünenkiefernwäldern haben sich vermoorte Bereiche erhalten. Die Große Strandwiese, früher Salzgrasland, wird heute von Röhrichten eingenommen. Eine Besonderheit am Nordoststrand Usedoms: große Schilfbestände reichen bis in die Ostsee. Der geringe Salzgehalt des Wassers (etwa 6g/l) lässt das Röhricht hier wachsen, fernab des Strandlebens sind Sumpfohreule, Rohrweihe, Bartmeise und Schilfrohrsänger zu Hause. Andere Moorbereiche werden von Erlen- und Birkenbrüchen eingenommen, in denen noch der Kranich Zuflucht findet und die Beutelmeise ihr kunstvolles Nest versteckt in die Zweige hängt. Nur noch Reste von den einstmals großen Buchen- Eichen- Wäldern sind heute zu finden. Übernutzung , aber auch die Flächenbrände während des Krieges haben die Laubwälder zurückgedrängt und der Kiefer Platz gemacht. Überall in den Dünenkiefernwäldern sind Reste der früher viel weiter verbreiteten Heide zu finden. Zusammen mit Trocken- und Magerrasen bieten sie vor allem Insekten Lebensräume, die anderswo zunehmend verloren gehen. Seltene Arten wie die Blaue Ödlandschrecke und der Warzenbeißer wurden hier beobachtet.

 
Vogelbeeren

Auch die Torf-Gewinnung hat ihre Spuren hinterlassen. Die Torfstiche beherbergen eine reiche Amphibienfauna, Kamm - und Teichmolch seien hier genannt, sogar die Schlingnatter kommt noch vor. Im Norden der Insel haben die Großvögel ihre Heimstatt. Der Graureiher hat unlängst am Großen See eine Kolonie gegründet, und 2001 hat erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Storchenpaar gebrütet. Auch der Seeadler horstet am Peenemünder Haken, während der Kormoran seit 1990 hier eine der größten Brutkolonien im gesamten Ostseeraum hat.

Der Mensch nahm diesen Teil Usedoms erst spät in Besitz. Außer Peenemünde, bereits im 13. Jahrhundert erwähnt, gab es nördlich von Zinnowitz kaum menschliche Ansiedelungen. Einst Jagdgebiet der pommerschen Herzöge, bekam die Gegend im 19. Jahrhundert den Namen "neues Pommern". Karlshagen (1887) und Trassenheide (1903 gegründet) waren die letzten Glieder auf der Perlenschnur der Usedomer Seebäder und versuchten, schnell Anschluß zu gewinnen. Durch die militärische Abschottung wurde vor allem Karlshagen nach 1936 in seiner Entwicklung als Seebad zurückgeworfen. Jahrzehnte vergingen, die es nun wieder aufzuholen gilt. Peenemünde leidet am stärksten unter seiner Vergangenheit, die Aussiedlung des alten Fischerdorfes vor dem 2. Weltkrieg und eine ununterbrochene Militärgeschichte bis 1996 hinterließen einen strukturlosen Ort, der nun eine neue Identität sucht.

 
Sägebock

Zuweilen scheinen die Gegensätze zwischen Nutzung der ehemaligen Militärflächen und den Bestrebungen zum Schutz der einmaligen Natur nahezu unüberwindlich. Gerade die Verbindung von (Militär)-Geschichte und einzigartigen Naturräumen macht jedoch das Interessante dieser Landschaft im Norden der Insel Usedom aus.

Dirk Weichbrodt

mehr zum Thema : 

                  usedom-exclusiv.de/winter2002/kormoran.htm

                  usedom-exclusiv.de/herbst2003/peenemuendung.htm

                 

Quelle: www.usedom-exclusiv.de   

 

Kormoranpopulation wächst

Aktuell gibt es in Mecklenburg-Vorpommern ca. 60- 70.000 Tiere. Durch die steigende Anzahl der Kormorane wird die Situation für Fischbestand und -arten immer dramatischer. Kormorane richten, indem sie ca. 30 t Fisch pro Tag als Nahrung benötigen, einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden an. Der Schaden für die Fischerei im Land ist unermesslich und steigt weiter an. Um dieses Problem wieder in den Griff zu bekommen, ist es zwingend erforderlich, den Bestand der Kormoranpaare in  auf den Stand der Jahre 2003-2005 zu reduzieren.

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